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Die Magisterarbeit ist abgegeben! Zeit, sich wieder dem Fernsehprogramm oder anderem Medienkonsum zu widmen. Einige Leute sehen das wohl anders und bringen lieber ihre Röhre um die Ecke.

Hier muss jemand seinen PC wirklich gehasst haben, dass er ihn einmal ordentlich auf den Poller pflockte und das Innenleben des Computers sich auf die Straße ergoss. Kein schöner Anblick, kann man doch seine Altgeräte auch liebevoll in den Elektroschrott geben, auf dass sie dort würdevoller vergammeln.

Seit Tagen stapeln sich vor dem pad diverse elektronische Unterhaltungsgeräte, die sich inzwischen zu einem kleinen Haufen auftürmen. Darunter mal wieder mehrfach die geliebte Röhre, im Kreise ihrer Lieben. Typischerweise hat das pad diese objets trouvés benutzt, um sie als Kunst zu deklarieren. Doch leider fehlte der Zettel heute schon wieder. Die etwas andere Street Art gefällt eben nicht jederman.

Neulich lag schon wieder einer auf der Straße. Lieblos an den Rand gestellt, sich selbst und dem nicht gerade freundlichen Wetter überlassen, allein für immer, auf dem Weg in den Tod – der Röhrenfernseher …

Was soll man sagen, früher oder später werden sie aussterben. Verständlicherweise hat so ein Flachbildschirm einige Vorteile ästhetischer Natur. Sie sind größer, dabei platzsparender und beim Empfang des richtigen Signals ergeben sie ein phänomenales Bild. Kino für zu Hause. Doch wer will das? Dafür gibt es doch das gute Lichtspielhaus. Ich liebe meine Röhre. Gegen alle Widerstände. Zugegebenermaßen, sie ist ziemlich groß, ragt eine halben Meter ins Rauminnere und trotzdem erfüllt sie mich mit Stolz. Kein unnötiger digitaler Schnickschnack, mit dem mich zu beschäftigen ich nie Zeit haben werde, kein Hochglanzbild. Fernsehen, wie es lebt. Außerdem möchte ich wirklich nicht Petra Gersters Falten zählen oder Tom Buhrows Toupet verrutscht wissen.

Die Röhre hat zudem einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie bringt mir mein Bild, wenn es stattfindet. Das durfte ich beim Ausscheiden Deutschlands aus der Fußballweltmeisterschaft auf schmerzliche Weise feststellen. In einem kleinen Café verfolgte ich mit Freunden das Spiel vor einem Flachbildschirm, der aufgrund der Umrechnung des Bildsignals das deprimierende Halbfinale später ausspuckte als ein klassischer Röhrenfernseher. In einer nicht weit vom Café entfernten Wohnung hatten sich schon früh ein paar spanische Fans bemerkbar und unbeliebt gemacht. Doch als diese beim entscheidenden Tor circa zwei Sekunden früher in Jubel ausbrachen, bevor wir zu weinen begannen, war das noch deprimierender. Da lobe ich mir meinen Röhrenfernseher, denn er ist schnell und hat eine Seele. Ich behalte ihn, bis er alt wird. Auf die Straße werde ich ihn aber nie stellen.