Umdrehungen

In diesem Jahr ist die Jury des Filmfestivals in Cannes mehrheitlich mit Frauen besetzt, das ist eine gute und überfällige Sache für die Filmkunst. Jane Campion steht an ihrer Spitze, ihre beeindruckende Miniserie Top of the Lake möchte ich wirklich jedem ans Herz legen. Ein Fan des Petitions- und Boykottaufrufs von vor zwei Jahren, als es keinen Film einer weiblichen Regisseurin im Wettbewerb gab, bin ich nicht, da er erstens allein die Arbeit von Regisseuren in den Fokus stellt und nicht danach schaut, welchen Anteil Produzentinnen, Autorinnen oder Editorinnen an der im Wettbewerb laufenden Filme haben, und zweitens der – auch mit Frauen besetzten – Jury eine mutwillige Ignoranz gegenüber weiblichen Regisseuren unterstellt. Wichtig ist es aber, auf das Missverhältnis von Männern und Frauen in der Filmwirtschaft aufmerksam zu machen.

Neben der aktiven Rolle von Frauen in Film und Fernsehen als Produzentinnen, Regisseurinnen oder Schauspielerinnen, interessiert mich natürlich auch ihre Repräsentation als Figuren in Geschichten und die Bilder, die darüber von Frauen gezeichnet werden. In letzter Zeit hatte ich häufig diese Gedanken: Warum spielt in diesem Film oder dieser Serie eigentlich ein Mann die Hauptrolle, und nicht eine Frau, obwohl die Geschichte beide Geschlechter gleichermaßen betrifft? Warum empfinden wir es als normal, vor allem männliche Protagonisten im Kino zu sehen? Was würde sich an diesen Geschichte – oder an unserer Wahrnehmung derselben – verändern, wenn eine Frau seinen Part übernehmen würde? Die universellen Geschichten im Kino werden noch immer mit Männern in der Hauptrolle erzählt, weibliche Protagonistinnen in Filmen sind nach wie vor in der Unterzahl. Der Bechdel-Test hat geholfen, zahlenmäßig auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, indem er Filme aufzeigt, in denen mindestens zwei Frauen vorkommen, die miteinander über etwas anderes als Männer reden. Allerdings taugt er nicht dazu, ein frauenzentriertes und trotzdem universelles Kino zu identifizieren, da er nicht untersucht, wer die zentral handelnde Figur in dem Film ist und worum genau es sich in den Dialogen dreht.

Auch sind Filme, die sich nicht notwendigerweise mit „weiblichen Themen“ wie Heiraten oder Kinderkriegen auseinandersetzen und trotzdem eine Frau in der Hauptrolle haben, rar. Sicherlich erzählt ein frauenzentriertes Kino Geschichten anders – und andere Geschichten – als ein von männlichen Protagonisten dominiertes, es fehlt aber immer noch die Vielfältigkeit im Kino der Frauen, die sich abseits von konventionellen Rollenbildern bewegt. Ich möchte Garden State und Drive aus weiblicher Sicht sehen, ohne darüber nachzudenken, dass ich sie aus weiblicher Sicht sehe. Mehr Haywire, Happy Go Lucky, Frances Haund The Hour. Ich habe genug vom Macho-Kino, in denen Frauen nur als schönes, manchmal gar rein dramaturgisches Beiwerk neben den virilen Helden stehen. Ich möchte mehr Statements wie dieses von Olivia Wilde. Ich möchte mehr Reden wie diese von Cate Blanchett und anderen klugen Schauspielerinnen. Und ich möchte, dass mehr Männer den Mut haben, Filme über Frauen zu sehen! //

 

The jury at Cannes International Film Festival will have a majority of women this year, which is great and overdue. It is led by Jane Campion, whose impressive mini series Top of the Lake I deeply recommend to everybody. I wasn’t a fan of the call for petition and boyvott two years ago, when the competition didn’t have a single film directed by a woman because it a) centers the work of directors only and disregards the share of female producers, writers and editors on the films at Cannes, and b) imputes that the jury, which also had female members, willingly ignored the works of female directors. But it is important to raise awareness for the misproportions concerning men and women in film industry.

Besides the active part women play in the film industry as producers, directors or actresses I’m very interested in the representations as characters in stories and the images of women these stories convey. Lately I had one thought especially: Why is it actually a man playing the leading part in a film or a TV show, and not a woman, although the story affects both? Why do we perceive it as the standard to see male protagonists on the big screen? What would change in these story – or in our perception of it – if a woman was to play the part of the man? Universal stories are still cast with man in leading roles, female protagonists are still a minority. The Bechdel test helped to statistically show this deficiency in identifying films that have at least two women in it talking to each other about something else than men. But it is not suited for recognizing a women-centered but also universal cinema since it does not analyse which sex the protagonist has and what the dialogues actually are about.

Also, films that do not necesseraly address women topics like marriage or motherhood but have a female protagonists are quite rare. A women-centered cinema certainly tells stories differently – and different stories – than one dominated by male protagonists, but it still lacks a diversity in women’s cinema that addresses topics besides conventional role models. I want to watch Garden State and Drive from a female perspective without knowing it. i want more Mehr Haywire, Happy Go Lucky, Frances Ha und The Hour. I’m fed up with a cinema of machismo that shows women as beautiful or even dramatical devices standing next to the hero. I want more Statemenst like this one from Olivia Wilde. I want more speeches like this one from Cate Blanchett and other smart actresses. And I want more men to have to guts to go and watch films about women!

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