Archiv

Archiv für den Monat Oktober 2013

Ist das nicht ein schöner Zungenbrecher? Auf der anderen Seite des Ottawa River liegt die Stadt Gatineau, Verwaltungssitz der Region Outaouais in der Provinz Québec. Während man das melodische Ontario noch gut aussprechen kann, wir es bei Outaouais schwierig. Es klingt wie „Ottawa“ mit einem starken französischen Akzent: Utawuä. In Outaouais liegt der Parc de la Gatineau, ein Nationalpark mit einer Fläche von 361 Quadratkilometern und einer Unmenge Seen, der sich über den kanadischen Schild erhebt. Diese Gesteinsformation durchzieht das östliche Kanada und bildet die geologische Grundlage des nordamerikanischen Kontinents. Also nichts wie los, das schöne Wetter genutzt und die Natur erobert! Man kann den Parc de la Gatineau nicht durchqueren, ohne ständig auf einen See zu stoßen. In unterschiedlichster Größe schmiegen sich die Wasserbecken in die mal mehr mal weniger felsige Landschaft, immer umrahmt von Wäldern, die ihre Blätter jetzt im Herbst in schönsten Farben zeigen. //

Ain’t that a good jawbreaker? The City of Gatineau is located on the other side of the Ottawa River. It is the centre of administration of the Outaouais region in the province of Québec. Whereas the melodic Ontario is easy to pronounce the problem starts with Outaouais. It sounds like „Ottawa“ with a strong french accent: Utawuä. In Outaouais there is the Parc de la Gatineau, a National Park of 361 square kilometres and with a vast number of lakes that covers the Canadian Shield. This formation expands through eastern Canada and forms the geological core of the North American continent. So let’s get started and conquer that nice piece of nature! You cannot cross the Parc de la Gatineau without permanently passing a lake. In very different forms and sizes they are located in the more or less stony landscape, always surrounded by forests that show their leaves in the most vibrant colours.

Lac la PêcheLac Richard Lac la Pêche Mein Freund, der Biber - My friend the beaver Kanadische Wälder - Canadian woods Kanus - CanoesLac Richard Lac la PêcheBilder machen - Taking pictures Streifenhörnchen - Chipmunk

Am zweiten Montag im Oktober ist in Kanada traditionell Thanksgiving Day. Da ich ohnehin mit meiner Mitbewohnerin Shary geplant hatte, an diesem Wochenende zu kochen (sie will von mir die europäische Küche erlernen – als ob ich da Expertin wäre), haben wir das einfach auf den Feiertag verlegt und uns an einen Truthahn gewagt. Meine Vermieterin Candi hat den Kochstress mir überlassen und dafür die Lebensmittel beigesteuert. Los ging es mittags um 12:30 Uhr mit der Füllung des 7kg-Vogels, den wir ursprünglich für drei Leute geplant hatten. Zum Glück haben sich aber noch unsere vierte Mitbewohnerin und Dmitri, den ich bei einem Stammtisch der Uni von Ottawa kennen gelernt hatte, angeschlossen, sonst säßen wir jetzt auf noch mehr Resten, als es sowieso schon der Fall ist. Um 14 Uhr war das Ding in der Röhre, wo er bei Umluft und 150 Grad Celcius ca. fünf Stunden braten sollte.

Unsere Füllung bestand aus Sellerie, roten Zwiebeln, Cranberries und Brotcroutons, die, schön zusammengemanscht, in den Vogel getan wurden. Als Beilagen gab es Kartoffelpürree, mit dem Handrührer cremig gerührt und mit Knoblauch verfeinert – the Canadian Way – und buntes Paprikagemüse mit Salbei. Als Vorspeise hatte Candi eine leckere Butternusskürbissuppe angesetzt. Ich bin jetzt nicht nur Expertin in englischen Wörten aus dem Bereich rund ums Kochen und Braten, sondern ich weiß auch, was man als Kanadier nie tut: Cheesecake in die Mikrowelle. Kuchen wird hier gern warm gegessen, und ich schlug vor, neben dem gereichten Rhabarber- und Appelpie auch den (zumal gefrorenen) Cheesecake kurz zu erwärmen. Daraufhin erntete ich ein bisschen Gelächter von meinen kanadischen Tischnachbarn, die schon die Mikrowelle mit Cheesecake überlaufen sahen. Merke: Die Cake- und Piekultur hat hier ihre eigenen Regeln. //

The second Monday of October is Thanksgiving Day in Canada. As I had planned to cook with my roommate Shary on the weekend (she wants to learn how to cook the European way – as if I was an expert) we decided to postpone our cooking session to this holiday and try to roast a turkey. Candi, my landlady, and I made a deal: I’ll do the cooking and she buys the groceries. We started at 12:30 with the stuffing vor the 7 kg turkey that we had planned for three persons. Fortunately our other roommate and Dmitri whom I met at the German club at University joined our little dinner. Otherwise we would have had even more leftovers. At 2 pm the birdy went into the oven, were it had to roast on 300 degree Fahrenheit for approximately five hours.

The stuffing consisted of celery, red onions, cranberries and croutons, that were mashed and filled into the turkey. As side dishes we had potatoes, whipped with a handmixer and refined with some garlic – the Canadian way – and mixed peppers with sage. Candi had prepared some butternut squash soup, that tasted just fine. As of now I’m not only in expert in English words concerning cooking and roasting, but I also know one thing that Canadians never do: put the cheesecake into the microwave. They like to heat pies and cakes in Canada and since the cheesecake was still frozen I suggested to briefly warm it in the microwave as we did with the rhubarbpie and the applepie. But my fellow dinner partners were just laughing as they imagined the cheesecake melting in the microwave. Please note: the cake and pie culture has its own rules!

7 kgGanz nackig - all nudeAlles für die Füllung - for the stuffingSchön braun werden - getting tannedDie festliche Tafel - the festive tableMein Platz - my seatDie deutsche Köchin - The German ChefHerbstgemüse - autumn vegetablesCheese! - Dmitri, Shary und CandiDavor - Before Danach - After Rhabarberkuchen - Rhubarbpie

Bytowne-CinemaErster Kinobesuch in Kanada: Am vorletzten Sonntag ging es ins ByTowne Cinema, einem kleinen gemütlichen Kino in der Nähe von Byward Market, in dem hauptsächlich Arthouse gezeigt wird. Mein Ziel war allerdings Austenland. Keine große Kunst, aber gute Unterhaltung für den Ausklang des ersten Wochenendes, quasi die sonntägliche Portion Rosamunde Pilcher. Ähnlich kitschig beginnt nämlich auch diese romantische Komödie um Jane, die nach Austenland fährt, um in die Welt ihrer Lieblingsautorin einzutauchen. Allerdings bietet die Einrichtung mehr als nur Kostümierung und Benimmregeln, denn eine Romanze mit dem vermeintlichen Mr. Darcy wird garantiert.

Jane soll realitätsfern und verträumt sein, aber dass die anwesenden Herren Nieten sind, stellt sie dafür doch realtiv schnell und pragmatisch fest. Der Film lebt ohnehin eher von Situationskomik als von übergreifender Logik oder gar Spannungsdramaturgie. Vieles wirkt lapidar inszeniert, manchmal auch improvisiert und Tempo kommt sehr langsam auf. Das hat die Regisseurin und Drehbuchautorin Jerusha Hess bei ihrem Script zu Napoleon Dynamite noch besser hinbekommen. Doch der Film spricht auch wahre Worte. Er zeigt, welche Blüten dem Jane Austen-Hype wachsen könnten: kommerzielle Aushöhlung bis zur reinen Oberflächlichkeit, Traummaschinerie ohne Boden und Reduzierung der komplexen Romane auf massentaugliche Formeln. Da passt Jane dann mit ihrer Selbstbestimmtheit als positive Gegenbewegung wieder gut rein.

My first movie in a Canadian film theatre! I went to ByTowne Cinema last Sunday. They mostly show arthouse films but I wanted to see Austenland. Not much of an art film, but some nice entertainment for the end of my first weekend. Similiar to a Rosamunde Pilcher film (which you can see in German TV every Sunday evening) this romantic comedy starts with a cheesy story about a girl called Jane that wants to go to Austenland to dip into the world of her favourite author. But this experience offers more that just costumes and etiquette: a romance with the supposed Mr. Darcy is included.

Jane is supposed to be a dreamy character but she finds out pretty quick that all men in Austenland are failures. The film lives more by its slapstick elements than by an overall logic or dramatic structure. Lots of things are clumsily directed and look improvised at times. The director and writer Jerusha Hess did a better job on her script for Napoelaon Dynamite. But anyways the films is telling the truth at some points. It shows the consequences that the Jane Austen hype will lead to: commercial exploitation up to superficiality, dreamproducing machinery without any substance and cutback of the complex novels down to formulars suitable for masses. So self-determined Jane seems to fit in well as she is a positive contradiction to these patterns.

Bytowne-Cinema_Curtain

Das Wetter macht hier keine halben Sachen: Wenn es kalt ist, dann so richtig, wenn die Sonne scheint, dann ohne Ende und wenn es regnet, dann aus Eimern. Das durfte ich am Montag, meinem ersten Praktikumstag, feststellen. Mit durchnässten Schuhen – dabei hatte ich extra meine Winterstiefel angezogen – ging es also beim Goethe-Institut los. Erste Amtshandlung am nächsten Morgen: Gummistiefel kaufen! Und wie sich damit meine Stimmung aufhellte, so verzogen sich auch die Wolken vom Himmel. Seitdem regiert er, der goldene Herbst, der Indian Summer! Über zwanzig Grad und gleißendes Licht, das die tiefstehende Sonne in die Häuserschluchten der Innenstadt und an die Ufer des Rideaukanals wirft. Zeit, sich nach der Arbeit in Centretown die Füße zu vertreten und dabei einen European Cappuccino (extra stark) zu trinken. //

The weather is not doing things by halves around here. When it is cold, it is freezing, when there is sun, it shines all the time and when there is rain, it pours down. That was my experience on Monday – first day of my internship where I arrived with wet feet because my winter boots were all soaked through. First thing next morning: I bought rain boots! As my mood brightened the sky also cleared from clouds. He has been ruling ever since: golden fall, Indian summer! Over 20 degrees and glistening sunlight that floods the urban canyons and the Rideau Canal riverside. It’s time to take a walk through Centretown after work and drink a European cappuccino (extra strong).

Booth Street "Balancing" by John Hooper Auf nach Chinatown - Let's go to Chinatown In Chinatown Canada Universität von Ottawa - University of OttawaBerühmt für Qualität - Famous for Quality Elvis! Rideaukanal und das Fairmont Château LaurierSaaaaaaluut Einfach nur rumstehen - Just standin' there

Zählt man alle Jogger am Rhein zusammen, die dort über den Tag hinweg laufen, so erhält man ungefähr die Anzahl aller Eichhörnchen, die sich am östlichen Ufer des Rideau River auf den Wiesen tummeln. Ich fuhr mit dem Rad von Hurdman, einer großen Bushaltestelle bei mir um die Ecke, bis zu den Wasserfällen, an denen sich der Rideau River in den Ottawa River ergießt. Auf meinem Weg dahin gab es neben den schon erwähnten Eichhörnchen auch Kanadagänse zu bestaunen, die sich mit Möwen das Mittagessen teilten. Und ich traf eine süße alte Dame, die mir erklärte, dass ihr Hund Casper Finnisch und Schwedisch versteht, aber sonst nie hören will, wenn es darum geht, nach Hause zu laufen. Vielmehr wollte Casper auf meiner Kamera verewigt werden. //

If you add together all the runners that jog along the Rhine River during a day you might get the number of squirrels that hang around the meadows on Eastern Rideau Pathway. I took the bike from Hurdman station, which is just around the corner of my house, to the waterfalls that mark the point where the Rideau River runs into the Ottawa River. On my way I not only saw squirrels but also Canada geese, that shared their lunch with lots of seagulls. And I met the cutest old lady who told me that her dog Casper unterstands Swedish and Finnish but doesn’t want to do what she says when it comes to going home. He rather wanted to be captured by my camera.

Wieviele Eichhörnchen gibt es auf diesem Bild? - How many squirrels can you see on that picture?

Rideau Falls Rideau-Falls Blick nach Gatineau - View to Gatineau Casper Möwen und Gänse - Seagulls and geese Im-hohen-Gras---in-the-high-grass

Start des Praktikums verschoben, da das Institut am Tag der deutschen Einheit geschlossen hat. Man stößt wohl im Privaten auf den Tag an, ohne den ich gar nicht hier wäre. Ich nutze die freie Zeit und fahre ins sonnige Downtown Ottawa – zumindest am Donnerstag schien die Sonne, Freitag war es bedeckt. Man legt hier gern noch was drauf, nicht nur die Steuern: die Straßen sind eine Spur breiter, die Autos dicker, die Eichhörnchen eine Farbe dunkler (sie sind sogar schwarz), die Gebäude eine Etage höher, die Menschen höflicher. Im Winter soll es sogar kälter werden, als der Lonely Planet es verrät: -20° bis -35° Celcius!

Gleichzeitig wirkt Ottawa klein und geordnet, sauber und sicher. Es ist schließlich das repräsentative „Herz von Kanada“, das manche, die hier aufgewachsen sind, als konservativ und langweilig bezeichnen. Mit dem Tea Party Café (nicht vom Namen täuschen lassen, hier geht es nicht um Politik, sondern um 200 Teesorten) habe ich schon meine alternative Anlaufstelle gefunden! //

Start of internship delayed as the Goethe-Institut is closed due to German Unity Day. They toast at home to the day that made it possible for me to be here. I spent my spare time at downton Ottawa, flooded with sunlight on Thursday, before the clouds covered it on Friday. They like to add things here, not only taxes: the streets are wider, the cars bigger, the squirrels darker (in fact, they are black), the buildings higher, the people more polite. And it is supposed to be even colder in winter than the Lonely Planet says: -20° to -35° Celcius!

At the same time Ottawa appears to be small and well organized, clean and safe. It is the „heart of Canada“ that some who are born and raised here call conservative and boring. I for one have found a special place that really made my day: the Tea Party Café (don’t get fooled by the name, it’s not about politics, but about 200 kinds of tea)!

Wer’s noch nicht weiß: Zur Beschreibung mit der Maus über die Bilder fahren. // For those who don’t know yet: to get the picture’s description just mouse over.

Rideaukanal

Museum of CivilizationByward Market: Gelb und Lila - Yellow and PurpleInukshuk in Remic Rapids Briefkasten - Mail Box Kanadische Nationalgalerie - National Gallery of Canada Byward Market_Gut organisiert - well organizedParliament Hill Rideaukanal mit seinen Schleusen - Rideau Canal and the Ottawa LocksPatrick Street Taxi The Tea Party