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Archiv für den Monat Juli 2013

Der Osten – dieses politisch so stark aufgeladene Wort bekommt in The East von Zal Batmanglij nur eine kleine, poetische Erklärung: Im Osten geht die Sonne auf und macht alles neu. So wie dieser Spruch das Politische poetisiert, stimmt der Film in seinen Bildern einen kunstvollen Ton an. The East ist politisch, aber in seiner Erzählung sehr poetisch. Denn es geht um Menschen, nicht um Manifeste.

Zunächst sieht man nur ein Phantom, eine radikale Ökogruppe, die mit terroristischen Aktionen gegen Großunternehmen vorgeht. Man sieht sie durch die Augen der Agentin Jane, gespielt von der beeindruckenden Brit Marling, die mich schon in Another Earth begeistert hatte. Und wie sie wird der Zuschauer zum verdeckten Ermittler, der sich in die Gruppe einschleust und nach und nach die Menschen hinter dem Phantom kennen lernt. Schicht für Schicht wird deren Identität freigelegt: Erst fallen die langen Hippiehaare, dann die Decknamen, irgendwann die körperliche Distanz. In diesem Raum des allmählichen Kennenlernes lässt sich in vielen Nahaufnahmen verhandeln, was zum Politischen wird: Der schmale Grad zwischen bloßem Aktionismus und wirklicher Überzeugung, zwischen persönlichem Risiko und dem bedingungslosen Kampf für die größere Sache spiegelt sich in den Rollen, die, jede für sich, komplexe Geschichten entfalten und auf zeitgenössische Themen wie Umweltverschmutzung oder Pharmapfusch verweisen.

Statt Pauschalität, wie sie gefährlich wäre, möchte man eine politische Geschichte erzählen, bestimmt in The East das Individuelle, das schließlich hinter allem Politischen steht. Vom Trailer, der eher an einen Horrorfilm oder Thriller erinnert, sollte man sich nicht täuschen lassen. Der Film ist eine überaus spannend inszenierte, ästhetisch feine Charakterstudie moderner Menschen, die mit Ellen Page, Alexander Skarsgård und Toby Kebbell auch in den weiteren Hauptrollen gelungen besetzt ist.

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IMG_3886Auf dem alten Opelgelände in Rüsselsheim wachsen Bäume auf dem Dach und Töne in den Himmel. Schön war es dieses Jahr beim Phono Pop Festival, Sonnenschein und feinste Musik versüßten mein Wochenende. Ich konnte wirklich einige Entdeckungen machen: The Dope, Suuns, HVOB. Aber auch die Altbekannten waren superb: Local Natives, When Saints Go Machine, Dear Reader und The Thermals. Bilder von den Gigs gibt es leider nicht, meine Kamera gab batteriemäßig den Geist auf und das iPhone hat nun mal keinen Zoom zu bieten. Doch dies sei gesagt: Man sollte einfach selbst hierher kommen und sich in schönster Industriekulisse berauschen lassen von guter Musik, tollem Essen, den Lichtern der Flugzeuge und netten Menschen.

Jonas hat jetzt auch Fotos gemacht und schöne Worte gefunden!

Eine Freundin postete einen Link zu einem Video und ich war hin und weg! „Mountains Crave“: eine glasklare Stimme, eine melodische Orgel, dazu goldene Bilder. Anna von Hausswolff heißt die junge Sängerin, geboren in Götheborg in eine Künstlerfamilie. Aus der Zeit gefallen ist nicht nur ihre Musik, deren Hauptbestandteil die Orgel ist, auch in ihren Musikvideos lebt sie den Hang zum Anachronismus.

Einfach, wie im heimischen Garten enstanden, grobkörnig, so sehen die Bilder aus, die sie zu ihrer mal schwermütigen, mal elfenhaft leichten Musik findet. Keine digitale Technik, die das Bild glättet. Die Ästhetik, die sich darin entfaltet: morbide, dunkel, sinnlich. Sie muss ein Fan der Romantik sein, ihre visuellen Geschichten stecken voller Natur-, Religions- und Vanitassymbole, schwanken zwischen Weltfremdheit und Realität, Bedrohlichkeit und Schönheit, Übersinnlichem und Konkretem. An den meisten Videos ist sie selbst beteiligt oder hat Familienmitglieder, Bekannte und Freunde eingespannt. So auch den Kameramann und Regisseur Anders Nydam, der den Entstehungsprozess ihres aktuellen Albums „Ceremony“ begleitet hat, das passenderweise in einer Kirche aufgenommen wurde. Dass dieses gerade auch noch bei City Slang, meinen liebsten Plattenlabel, erschienen ist, freut mich umso mehr. Ein Interview mit der Sängerin findet sich übrigens im aktuellen Interview Magazine.