Im Kino gewesen: Hai-Alarm am Müggelsee

Was soll das eigentlich für ein Film sein? Ich weiß nicht mehr, wann ich mir diese Frage zum ersten Mal gestellt habe, während ich Hai-Alarm im Müggelsee sah. Eines muss ich vorwegnehmen: Ich komme selbst aus dem Berliner Bezirk Köpenick (offiziell Treptow-Köpenick), zwar nicht aus Friedrichshagen, aber weit weg ist das von uns Zentralköpenickern schließlich nicht. Köpenick ist ein seltsamer Bezirk, der unsichtbarste Bezirk Berlins würde ich sagen, weil er selten Erwähnung findet, dabei gibt es eine Menge Attraktionen: den Hauptman, die größte Bezirksfläche, den größten See, die wenigsten Einwohner, die schönste Open-Air-Bühne, den meisten Wald, die höchste natürliche Erhebung der Stadt, bis vor drei Jahren auch noch die älteste Brauerei.

Und dann dieses nicht gerade bekanntheitsfördernde Erzeugnis: Ein Film über Friedrichshagen, der eigentlich nur für Friedrichshagener ist. So jedenfalls würde ich es verstehen, obwohl ich natürlich den Blick von außen gar nicht bieten kann. Ich verstehe die Referenz auf Wolfgang Lippert, den reichen Mann von Friedrichshagen, der das Kino Union kaufte und verfallen ließ, im Film herrlich dargestellt von Benno Fürmann. Ich verstehe auch die Anspielung auf das Maulbeerblatt, eine feine Zeitschrift, die bei der filmischen Pressekonferenz zwischen all den hochtrabenden Medienvertretern etwas deplaziert wirkt. Auch der Bezug auf die Ortsteile in Köpenick und ihre im Film dargestellten Rivalitäten sind für mich klar oder das schäumende Berliner Bürgerbräu, das die Schaumschlägerei des Berliner Biermarktes symbolisiert. Mich hat das alles amüsiert.

Aber wie funktioniert der Film für Nichtfriedrichshagener, für Nichtberliner? Warum den Film deutschlandweit ins Kino bringen? Klar, Leander Haußmann ist kein unbekannter Regisseur. Aber man kann leider nicht unbedingt behaupten, dass Hai-Alarm am Müggelsee ein gelungener Film ist. Ihm fehlt Timing, das Gefühl für Pointen, eine spannende Dramaturgie und irgendwie allein der Wille, ein gelungener Film zu sein. Insgesamt ist er eine Klamotte, ein Egotrip, eine Farce mit schlechtem Schauspiel von guten Schauspielern. Unterhalten hat er mich mit seiner Absurdität trotzdem. Wodurch sich der Film aber für andere Zuschauer erschließen könnte? Durch seinen satirischen Charakter auf das Städtemarketing und durch die tolle Musik von Sven Regener vielleicht. Immerhin war es im Kino in Mainz nicht ganz leer (wer weiß wie lange noch) . Bleibt zu hoffen, dass sich niemand davon abschrecken lässt, mal das schöne Köpenick zu besuchen und im Müggelsee baden zu gehen.

Hai-Alarm im Müggelsee (Deutschland 2013, Regie/Drehbuch: Leander Haußmann, Sven Regener, Kamera: Jana Marsik, Schnitt: Christoph Brunner, Musik: Leander Haußmann, Sven Regener, Produktion: Müggelfilm / X Filme Creative Pool)

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