Auf geht’s Mädels, es ist noch viel zu tun!

Was mir durch meinen Post zum Weltfrauentag aufgefallen ist: Die meisten Frauen, die wir in Kunst und Medien als „besonders“ und „irgendwie anders“ im positiven Sinne betrachten, sind vor allem eines: androgyn und schmal. Ihnen wird die Aura des Ätherischen, Charismatischen und Aparten zugeschrieben, was sich auch in ihren Rollen niederschlägt: Sie spielen Elbenköniginnen, zwischen den Geschlechtern wechselnde Figuren, sind Punkerinnen, selbstbestimme Frauen mit viel Selbstbewusstsein. Immer noch sind die sehr weiblichen, runden, fülligen Frauen im Showgeschäft klar in der Minderheit. Höchstens im Alter ist das ein oder andere Pfund mehr erlaubt, siehe Catherine Deneuve, Meryl Streep oder Judi Dench. Aber das wird schließlich auch als die normale Entwicklung des Körpers empfunden und akzeptiert. Manchmal mag ich Isabella Rosselini oder Hanna Schygulla deswegen aber viel lieber auf der Leinwand sehen als eine Schauspielerin, deren Körper mir gar nichts erzählt.

Leider erzählt der Körper der wenigen runden Schauspielerinnen und Sängerinnen vor allem immer noch eines: dass sie eher ungewollt anders sind und sich dafür rechtfertigen, wenn nicht gar entschuldigen müssen. Warum spielt Rebel Wilson in Bachelorette die Braut, die im Film allerdings nur in gefühlten fünfzehn Minuten vorkommt? Das verkorkste Leben ihrer hübsch-falschen Freundinnen ist wohl spannender – leider nicht. Warum meckert Karl Lagerfeld über Adeles Pfunde, wenn er Beth Ditto in den Himmel lobt? Inkonsequent und vor allem launig. Warum nehmen tolle Frauen wie Jennifer Hudson oder Catherine Zeta-Jones ab, wenn Hollywood es will? Gute Rollen haben sie auch vorher schon verkörpert. Ansätze für so einen normalen Umgang mit dem (konstruiert negativen) Anderssein findet man tatsächlich in Girls, das ich ja leider ansonsten nicht so gelungen finde. Super ist, dass Lena Dunham ihren Körper ganz selbstverständlich als Teil ihrer Kunst einsetzt, wie andere – schlankere – Frauen es auch tun. Sie zeigt ihn gern, ohne den Gedanken, wer was wie an ihm schön finden könnte, denn das hat letztlich nur sie selbst zu bestimmen. Doch abgesehen davon verschenkt die Serie viel von der Kritik, die sie an der Situation junger Frauen in der heutigen Welt üben könnte. Sie thematisiert nicht, dass sich Frauen immer noch zurückhalten und nicht ihrem eigenen Urteil vertrauen, wenn sie einen Rat bekommen, obwohl sie es besser gewusst hätten. Und die Serie verurteilt auch nicht den selbstverliebten Freund, der Hanna die Schuld am Scheitern der Beziehung gibt anstatt ihr zuzuhören, als sie sich ihm gegenüber öffnet und ihre Angst vor der ernsten Liebe äußert. Das Selbstvertrauen beschränkt sich in Girls immer noch auf das Körperliche, Sexuelle. Das ist gut, aber auch schade, da wäre noch so viel mehr zu tun!

Rebel-WilsonLena-DunhamMo'Nique AdeleMissy-Elliott Beth-Ditto

Advertisements
1 Kommentar
  1. Deine Meinung kann ich voll und ganz unterschreiben. Manchmal habe ich das Gefühl, das Rebel Wilson überhaupt nur in den inneren Zirkel Hollywoods gelassen wurde, damit sowieso schon dünnen Körper von Kirsten Dunst und Co noch besser in Szene gesetzt werden. Es wäre toll, wenn Rebel einmal außerhalb des „dicken“ Klischees besetzt werden würde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s