Schmierfinken und Schmeißfliegen

Immer diese fiesen Schreibtischtäter, die fast so böse sind wie die Mörder selbst und skrupellos im Leid der Opfer herumrecherchieren. Journalisten haben es nicht leicht in Deutschlands Krimi Nr. 1, dem Tatort. Sie sind hinterhältig, sensationsgeil, haben kein Herz und setzen sich permanent über polizeiliche Anweisungen hinweg. Ihr Verhalten ist berufsimmanent, positive Gegenbeispiele gibt es äußerst selten. Nun wusste schon Sergej Eisenstein, dass Film und Fiktion nichts mit der Wirklichkeit, aber dafür ganz viel mit der Wahrheit zu tun haben. Klar also, dass es Vereinfachungen, Überhöhungen und sogar Verzerrungen gibt – im Tatort ja auch besonders häufig in Form von Klischees auf Seiten der Täter oder Opfer. Die Wahrheit ist also demnach die, dass Journalisten allesamt Schmierfinken und Schmeißfliegen sind. So wünscht man sich doch Redakteure von fiktionalen Stoffen: Das Image des Berufs ist schlecht, also muss das auch im Tatort so dargestellt werden. Amüsant, dass sich Redakteure im weitesten Sinne auch als Journalisten bezeichnen und damit ihrer eigenen Zunft in den Rücken fallen. Dabei bietet das schwierige Verhältnis zwischen Polizei auf der einen und Presse auf der anderen Seite Stoff genug für eine eigene Tatortreihe. Siehe auch die gute amerikanische oder britische Auseinandersetzung mit dem Thema in The Wire oder State of Play. Ich erinnere mich auch den tollen Rostocker Polizeiruf 110, „Fischerkrieg“, von Ende Januar, in dem eine Journalistin mehr wusste als die Polizei und differenzierter gezeichnet war, als es so häufig der Fall ist.

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