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Archiv für den Monat November 2012

Gestern (mal wieder) live gesehen, gefreut, gesungen, gelacht, wunderbarer Musik gelauscht:

musical genuis, for real!

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Geht es um Blake Edwards Klassiker Breakfast at Tiffany’s aus dem Jahr 1961, dann wird meist von Audrey Hepburn und ihre wunderbaren Gaderobe gesprochen. Warum eigentlich? Sicherlich, dahinter stecken Hubert de Givenchy, Edith Head und das Kleine Schwarze, die aus Hepburn eine einzigartige Starpersona geschaffen haben, aber hat nicht auch Patricia Neal, die die Innenarchitektin 2E (mehr zu ihrem ungewöhnlichen Namen, der sogar in den Untertiteln falsch geschrieben wird, hier) spielt, ganz ausgezeichnete Kostüme? Und ist nicht auch sie ein spannender Charakter, über den es sich nachzudenken lohnt?

Mit Breakfast at Tiffany’s verhält es sich bei mir nämlich so: Ich habe den Film vielleicht mit 15 zum ersten Mal gesehen, fand ihn immer unterhaltsam und schön. Wer will nicht sein wie Holly Golightly, das Kleine Schwarze tragen, ausgelassene Partys feiern und am Ende die große Liebe finden? Für meine Magisterabschlussprüfung zum Thema Kostümdramaturgie habe ich ihn wieder geschaut, doch plötzlich erschien er mir in einem völlig anderen Licht: Keine komödiantische Liebesgeschichte ist das, sondern die Erzählung einer Zähmung, einer Verhäuslichung und die Herabwürdigung einer ungebundenen, freien Frau. Angestoßen hat mich dazu auch der Artikel zum Film in der Blake Edwards-Biographie „A Splurch in the Kisser“ von Sam Wasson.


Aus heutiger, man könnte sagen, postfeministischer Sicht zeigt Breakfast at Tiffany’s, wie aus einer jungen unangepassten, naiven aber freiheitssuchenden Frau eine gesellschaftsfähige Partnerin gemacht wird (Holly Golightly) und wie eine starke, selbstbestimmte Frau den Laufpass bekommt, weil sie mehr verdient als der Mann, weil sie weiß, was sie will und was nicht und all dies offen lebt (2E). So unähnlich sind sich die beiden Frauenfiguren, die im Film in Opposition zueinander gesetzt werden, nicht: Holly auf der Suche nach einem reichem Ehemann – weniger der Liebe als mehr der Abenteuerlust wegen – und 2E als Frau, die ihre Freiheit auslebt und dafür gescholten wird. Während Holly aber das junge, unschuldige, formbare Mädchen symbolisiert, ist 2E die abseitige, dunkle und amoralische Frau, die deswegen letztendlich auch verlassen wird.

Kein Wunder also, dass Paul (George Peppard) Holly besitzen will („You belong to me“), 2E hätte er nie haben können. Ihre Unabhängigkeit spiegelt sich in ihrer Gaderobe, entworfen von Pauline Trigère, einer französischen Designerin, die später in New York arbeitete und für ihre ausgefallenen, sorgfältigen Schnitte bekannt war. Capes in ungewöhnlichen Formen, die den Körper umspielen, heben 2E von den klassischen Kleidern der hageren Holly ab und verleihen ihr einen eleganten Look mit viel Abwechslung und Experimentierfreude. Größe und Eigenständigkeit sprechen aus den kräftigen Farben und Formen, Eigenschaften, die in der Rolle wiederklingen. Während Holly am Ende in einem letzten Ausbruchversuch noch einmal das Kleine Schwarze anzieht, dann aber doch einen ähnlichen Trenchcoat wie Paul überstreift und mit ihm zusammenkommt, wird 2Es Reaktion auf ihre Trennung von dem Mann ausgespart. Ob sie darüber wirklich traurig ist? Wohl kaum!

Breakfast at Tiffany’s (Frühstück bei Tiffany, USA 1961, Regie: Blake Edwards, Kostümbild: Hubert de Givenchy, Edith Head, Pauline Trigère)

Spätestens mit zwölf oder so hört man wohl gewohnheitsmäßig auf, Dinge für Weihnachten zu basteln. Klar, das ein oder andere selbstgemachte Geschenk wird es immer geben, aber so wirklich sich noch hinsetzen und aus buntem Papier und Kleber etwas herstellen, was man dann mit Liebe weitergibt? Eher selten. Schade eigentlich, wie ich jetzt wieder feststellen durfte, denn wir haben gebastelt und es war ganz wunderbar! Nathalie ludt wie jedes Jahr zur Weihnachtkartenbastelaktion inklusive weißer Schokolade und Mandarinen. Der ganze Boden voller Schnipsel, Klebebänder und Kartonagen, Kreativität und jede Menge gute Ideen schwangen im Raum. Ich kann jedem nur empfehlen, selbst mal wieder zur Schere zu greifen und der Fantasie freien Lauf zu lassen!

Meine liebe Freundin und seit kurzem auch Mitbewohnerin Julia hat zusammen mit vielen anderen engagierten jungen Leuten einen Film über die Pioniere der Biolandwirtschaft gemacht. In der Dokumentation gehen sie den Wurzeln der ökologischen Bewegung auf die Spur und fördern interessante Erkenntnisse über die Motivationen hinter der Biobranche zutage. Der Film ist das Ergebnis des Gemeinschaftsprojektes im 9. Jahrgang des Traineeprogramms Ökolandbau und feierte am 24. Oktober 2012 auf der Herbsttagung des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in Berlin Premiere. Das Thema ist aktuell wie nie und trotzdem immer noch mit viel Halbwissen und Mythen verbunden. Vielleicht kann dieser Film dazu beitragen, die ursprünglichen Antriebe für den Biolandbau verständlicher zu machen. Mehr Infos zu dem Projekt gibt es hier.