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Archiv für den Monat Oktober 2012

Ich mag die Wanddekoration meiner Freunde Marina und Christian und wunderte mich über ein paar schöne Freilichtinstallationen…

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Was macht Schmuck zu Schmuck und wann wird er Teil der Kleidung, wann Teil des Körpers? Ist eine Kette ein Fremdkörper, der sich um unseren Hals schlingt, oder kann sie selbst zum Element des Trägers werden? Wie veränderlich ist ein Schmuckstück und nehmen wir es dadurch verschiedenartig am Körper war oder verändert sich der Körper mit dem Schmuck?

Meine liebe Freundin Jana aus Köln ist Schmuckdesignerin und setzt sich mit den Schnittstellen von Schmuck und Kleidung, Kette und Kragen, Dekoration und Körper auseinander. Auf ihrer eigenen Website ist ihr Schaffen zu bestaunen. Ich mag diesen Grenzbereich zwischen Körperlichkeit, Bekleidung und Formung und versuche, mich diesem Thema im Film zu nähern. Janas Arbeiten finde ich deshalb auch sehr faszinierend, weil sie sich mit einem Detail dieser Formung beschäftigen, der nebensächlich wirken mag, aber eigentlich ein ganzes Erscheinungsbild bestimmen kann.

Alle Bilder © Jana Graf  http://janagraf.com/

Es ist schon ziemlich lange her, da war ich noch kleiner als jetzt und musste mit meinen Eltern regelmäßig die Berliner und Brandenburger Wälder beackern und Pilze sammeln gehen. Diese Formulierung „Wir gehen in die Pilze“ war ein Reizwort, ich fand das damals langweilig und anstrengend. Aber wie das mit so vielen Dingen ist, die Zeiten ändern sich und heute denke ich anders darüber. Drum fuhr ich mit meiner Freundin Lena Hallimasch nach Pirmasens, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: 1. Jenny endlich in ihrer neuen Heimat am Ende von Deutschland zu besuchen und 2. im Pfälzer Wald Pilze sammeln zu gehen.

Wider Erwarten und gemessen an unserem Pilzsammelversuch letzte Woche im Gonsenheimer Wald war diese Pilzsuche ziemlich erfolgreich. Jede Menge Schirmpilze, Rotfußröhrlinge und Schopftintlinge wanderten in unsere Körbe, äh, Tupperdosen. Unterwegs konnten uns pfälzelnde Pilzkenner bei der Bestimmung helfen, aber allein die zwei Bestimmungsbücher, die ich von meinen Eltern mitgenommen hatte (made in GDR), haben uns weit gebracht.

Das Wald- und Wiesenerlebnis wurde mit einer wahrlich interessanten Erforschung des kleinen Städtchens Pirmasens verbunden, was zu erstaunlichen Erkenntnissen führte. Pirmasens, einst Deutschlands Schuhhauptstadt mit knapp 60.000 Einwohnern, heute noch 40.000 Menschen beherbergend, ist ziemlich wunderlich, erschreckend und witzig, schön und hässlich zugleich. Unheimlich ruhig ist es da, wenig los auf den Straßen, massenhaft leerstehende Fabrikgebäude und Geschäfte, an denen noch alte Aufschriften und Schilder prangen und von einer einst florierenden Gegend zeugen. Wohngebäude, so grau und heruntergekommen, als würde dort niemand leben. Dann wieder Villenviertel mit wunderschönem Ausblick auf den Wald und großen, herrschaftlichen Häusern. Am unterhaltsamsten aber ist das nicht ironisch gemeinte und daher unfreiwillig komische Zusammenspiel aus Relikten früheren Lebens wie alten Schildern, Aufschriften oder Geschäftsauslagen und einer gewissen provinziellen Kitschigkeit, die sich zusammen zu etwas vereinen, was man heute Streetart nennen würde. Möchte man authentische Straßenephemera erleben, sollte man nach Pirmasens fahren!

In diesen Tagen ist die letzte Ausgabe des Filmmagazins SCHNITT erschienen, das mir sehr am Herzen liegt. Ich habe dort 2008/2009 ein halbes Jahr als Praktikantin gearbeitet und im Anschluss viele Rezensionen und andere Texte für das Magazin geschrieben. In dieser Zeit sind viele neue Freundschaften entstanden, viel Wissen und Ideen über das bewegte Bild wurden ausgetauscht und ich habe wahrscheinlich so viele Filme geschaut wie noch nie zuvor. Alles in allem eine inspirierende und wunderbare Zeit. Umso trauriger bin ich, dass der SCHNITT an sein Ende gelangt ist.

Verschiedene Gründe haben die Macher dazu bewogen, den Kampf für den guten Filmjournalismus aufzugeben. Mich ernüchtert es, dass solch ein unabhängiges und qualitätiv hochwertiges Projekt offenbar in Deutschland keine Chance hat, zu überleben. Irgendwie bin ich jetzt noch weniger motiviert, mich mit meiner großen Liebe Film Richtung Arbeitsmarkt zu bewegen. Aber man sollte nicht den Kopf hängen lassen, sondern dieses schöne letzte SCHNITT-Heft genießen. Das Thema der Ausgabe – passend zum Abschied – sind die letzten Einstellungen, die uns aus Filmen entlassen. Den Pinsel für die Illustrationen hat meine liebe Freundin Jenny Adam geschwungen. Wer sich noch einmal von der Qualität des SCHNITTs überzeugen möchte, kann sich das Heft hier bestellen.

Mach’s gut, SCHNITT, du wirst fehlen!