Das älteste Kaninchen von allen

Vorgestern verstarb Kurt Maetzig, Regisseur und Mitbegründer der DEFA. Sein Wirken in der Filmlandschaft der DDR war rebellisch und angepasst zugleich. Ambivalenzen prägten seine Arbeiten, wie es bei den meisten Künstlern aus der DDR der Fall ist. Neben seinen ideologisch gefärbten Filmen wie Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (1954), der dem Sozialismus verschrieben ist, stehen Dramen, die mit ihrer kühlen Bildsprache genau gegen diese Ideologie arbeiteten und teilweise verboten wurden. Maetzigs bekanntester Film Das Kaninchen bin ich (1965) durfte nicht uraufgeführt werden und prägte den Begriff der Kaninchenfilme, der verbotenen Werke, die nicht in das Kunstverständnis der DDR-Führung passten. So kann es gehen, wenn man das „Neue Deutschland“ anzündet und staatliche Willkür mit ungeschöntem Duktus darstellt.

Überrascht und erfreut war ich darüber, dass fast jede große Tageszeitung – zumindest auf ihren Onlineauftritten – dem Filmemacher einen Nachruf widmete. F.A.Z., Süddeutsche Zeitung, und Spiegel Online, und natürlich die Berliner Zeitung und die Morgenpost. Für ein genaueres Verständnis der verbotenen Werke Maetzigs und anderer empfehle ich das Kapitel „Das Reformdebakel“ in Wolfgang Gerschs Buch „Szenen eines Landes. Die DDR und ihre Filme“ (Berlin: Aufbau-Verlag, 2006), das sich den politischen Kontexten der Kaninchenfilme widmet.

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