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Archiv für den Monat August 2012

Kogonada destilliert in seinen Videos die Ästhetik aus dem filmischen Werk verschiedener Regisseure heraus. In der Bündelung wird ihr Stil auf den Punkt gerbracht, die Handschrift überdeutlich. Kogonadas eigene Arbeiten lassen sich auf dem Blog Missing Ozu verfolgen.

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Fünf Wochen sind seit meiner letzten Prüfung vergangen und seltsamerweise hatte ich noch nicht viel Zeit zum Filme schauen. Dabei hatte ich mir so eine schöne Liste mit diesen Science Fiction-Filmen aus den 70er Jahren gemacht. Wer könnte schließlich den verführerisch poppigen Titelsequenzen widerstehen, die mit ihrer schicken graphischen Auflösung und der stilsicheren Typographie genau das versprechen, was man von einem SiFi-Film der 70er haben will: ein bisschen Trash, ein bisschen Fantasy, jede Menge Übertreibung und dahinter ein wahrer Kern.

Das Titeldesign und die Qualität des Vorspanns sind bisher in der Filmwissenschaft wenig untersucht worden. Wie schön, dass der Schnitt sich in einem seinem Heft #55 des Themas angenommen hat. Denn wenn man genauer hinschaut, sind Titelsequenzen im Idealfall mindestens genauso aufgregend wie der Film selbst. Auch der vielleicht bekannteste Titeldesigner Saul Bass hat 1974 bei einem Science Fiction-Film Regie geführt, Phase IV. Und zum Glück gibt es den ein oder anderen Blog, der sich des Themas annimmt. Also nichts wie ab vor die Glotze und diese Meisterwerke geguckt:

Zardoz (Großbritannien 1974, Regie: John Boorman)

Logan’s Run (USA 1976, Regie: Michael Anderson)

Quintet (USA 1979, Regie: Robert Altman)

The Omega Man (USA 1971, Regie: Boris Sagal)

Phase IV (USA 1974, Regie: Saul Bass)

Rollerball (USA/Großbritannien 1975, Regie: Norman Jewison)

Westworld (USA 1973, Regie: Michael Crichton)

Copyright: Harald Schmitt/farbfilm verleih

Jugend- und Subkulturen in der DDR, ein immer interessantes und noch lange nicht ausgeschöpftes Thema, das in den letzten Jahren in einigen Dokumentarfilmen behandelt wurde. Nach dem Punk (ostPUNK! Too Much Future, 2006, Regie: Carsten Fiebeler und Michael Boehlke) und dem HipHop/Breakdance (Here We Come, 2006, Regie: Nico Raschick) sind nun die Skater dran. This Ain’t California von Marten Persiel läuft ab heute in den Kinos und zeichnet den Weg dreier Freunde nach, in deren Leben das Skaten nicht nur ein Hobby war, sondern ein Weg, sich in ihrer Rolle als Jugendliche in der DDR zu definieren, in welche Richtung auch immer. Ich bin sehr gespannt auf den Film, der im Trailer einen poetischen Ton anschlägt, fast fiktional wirkt und sicherlich eine spannende Geschichte zu erzählen hat, die so über die DDR noch nicht erzählt wurde.

Ich frage mich, wie lange die fiktive Aufarbeitung dieser Themen noch auf sich warten lässt. In Wie Feuer und Flamme (2001, Regie: Connie Walther) wurde versucht, dem unterdrückten Punk in der DDR ein Denkmal zu setzen, das Ergebnis war aber mehr oder weniger einseitig und kitschig. Wo bleiben die anderen Filme, die vielschichtigen Erzählungen über HipHop und die Skater im realen Sozialismus? Gerade die Jugendkulturen bieten Möglichkeiten zu spannenden Geschichten über den Alltag in der DDR und dessen komplexes Geflecht aus Normalität und repressiven Strukturen, Unterordnung und Rebellion. Das dies systemübergreifend funktioniert, hat vor allem Sonnenallee (1999, Regie: Leander Haußmann) mit seiner Liebe zum Rock und Pop und seinen jugendlichen Charakteren gezeigt.

Hier der Trailer zum Film und ein Beitrag von Tracks auf Arte.

Da haben sich Antony Hegarty von Antony and the Johnsons und seine Kunstkollegin Marina Abramovic was Schönes ausgedacht, um uns gebührlich auf diesen Montag einzustimmen. Der australische Regisseur Nabil, der zuvor Videos für Bon Iver und Kanye West gemacht hat, verbindet Hegartys Musik und Abramovics Performanceideen mit Willem Defoes und Carice van Houtens Schauspiel zu einem, nun ja, überraschenden Clip. Das Video ist Teil des Bühnenprojekts The Life and Death of Marina Abramovic, das von Robert Wilson inszeniert wird.

Vorgestern verstarb Kurt Maetzig, Regisseur und Mitbegründer der DEFA. Sein Wirken in der Filmlandschaft der DDR war rebellisch und angepasst zugleich. Ambivalenzen prägten seine Arbeiten, wie es bei den meisten Künstlern aus der DDR der Fall ist. Neben seinen ideologisch gefärbten Filmen wie Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (1954), der dem Sozialismus verschrieben ist, stehen Dramen, die mit ihrer kühlen Bildsprache genau gegen diese Ideologie arbeiteten und teilweise verboten wurden. Maetzigs bekanntester Film Das Kaninchen bin ich (1965) durfte nicht uraufgeführt werden und prägte den Begriff der Kaninchenfilme, der verbotenen Werke, die nicht in das Kunstverständnis der DDR-Führung passten. So kann es gehen, wenn man das „Neue Deutschland“ anzündet und staatliche Willkür mit ungeschöntem Duktus darstellt.

Überrascht und erfreut war ich darüber, dass fast jede große Tageszeitung – zumindest auf ihren Onlineauftritten – dem Filmemacher einen Nachruf widmete. F.A.Z., Süddeutsche Zeitung, und Spiegel Online, und natürlich die Berliner Zeitung und die Morgenpost. Für ein genaueres Verständnis der verbotenen Werke Maetzigs und anderer empfehle ich das Kapitel „Das Reformdebakel“ in Wolfgang Gerschs Buch „Szenen eines Landes. Die DDR und ihre Filme“ (Berlin: Aufbau-Verlag, 2006), das sich den politischen Kontexten der Kaninchenfilme widmet.