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Archiv für den Monat Juni 2012

Aschenputtel reversed: Prinzessin Ann ist gelangweilt vom strengen Zeremoniell auf ihren Reisen ins Ausland, sie möchte endlich das richtige Leben kennenlernen. Also macht sie sich nachts durch Hotelfenster davon und wird auf der Straße vom Reporter Joe Bradley aufgelesen. Der soll eigentlich am nächsten Tag ein Interview mit ihr führen und weiß gar nicht, wen er da vor sich hat. Als es ihm klar wird, ist es schon fast zu spät: Ann hat sich aufgemacht, um über Roms Straßen und Märkte zu schlendern, sich immer mehr in eine junge Frau ohne höfischen Stand zu verwandeln und schließlich auch die Liebe zu finden.

Leichtfüßig und zugleich sehr symbolisch erzählt William Wylers Komödie die Geschichte einer umgedrehten Verwandlung und entzaubert damit den Märchenmythos: Aus der eingeengten Prinzessin wird für eine gewisse Zeit eine freie junge Frau. Die klassische Grundkonstellation – armes Mädchen steigt in die höfische Gesellschaft auf und ist damit alle Sorgen los – zeigt sich ins Gegenteil verkehrt. Das Prinzessinendasein steht hier für die Welt, der man entfliehen will. Die hohen Absätze werden gegen bequeme, flache Schuhe eingetauscht, das steife Spitzenkleid durch eine schlichte Bluse und Rock ersetzt und die langen, schwierig zu pflegenden Haare zu einem kessen Kurzhaarschnitt umfrisiert. Am Ende, als Ann sich wieder in die Welt des Hofes begeben muss, wird ihre Kleidung strenger, formender und verhüllender, sodass sie die kurzen Haare unter einem Hut verstecken muss, der offensichtlich auch ihren freien Geist zügeln soll. Was ihm nicht ganz gelingt…

Roman Holiday (Ein Herz und eine Krone, USA 1953, Regie: William Wyler, Kostümbild: Edith Head)

Rot ist nicht nur irgendeine Farbe. Rot kann viel bewirken: Angst machen, Aggressionen hervorrufen oder Leidenschaften. Rot kann aus einem einfachen Mädchen eine Dame machen, wie es Anni Pavlovitch in Dorothy Arzners Film Die Braut trug Rot aus dem Jahr 1937, passiert. Joan Crawford trägt in dem Schwarzweißfilm ein rotes Kleid, das sie von der Barsängerin zum Mitglied der feinen Gesellschaft werden lässt. Aber ist die Metamorphose wirklich so einfach?

Rot kann auch auf dem Weg zur letzten Prüfung, die mir bevorsteht, hoffentlich für zusätzliche Energie sorgen. Mit Hinblick auf den Lernmarathon soll mich ab jetzt beim Transport von Laptop, Büchern und gefühlten 1000 Seiten Kopien eine Tasche von Frau Lili unterstützen. Das junge Label aus Berlin fertigt schöne Taschen und Accessoires aus Kalbs- und Rindsleder. Die Formen sind schlicht, die Farben dafür umso kräftiger. Mit der Prüfung kann jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen, und falls doch, kann ich immerhin sagen: „Ich habe Rot getragen!“ Und hoffen, dass aus mir doch noch was wird!

Arbeit über Arbeit, nur damit man mit der Arbeit mal fertig wird. Sollte es trotz aller Anstrengungen mit meiner fulminanten Karriere in den Medien nicht klappen, werde ich Nagellacknamenerfinder und verbringen jeden Tag damit, mir möglichst kuriose Bezeichnungen für den Fingeranstrich auszudenken. Anregungen gibt es genug.