Heroischer Journalismus – guter Journalismus?

Wie die Süddeutsche Zeitung heute auf ihrer Medienseite und gestern schon in ihrer Onlineausgabe berichtete, konnte sich die englische Reporterin Alex Crawford von sky news einer Gruppe Rebellen anschließen und mit dieser als erste Reporterin überhaupt den Einmarsch in Tripolis miterleben. Dafür erhält sie nun viel Lob von anderen Journalisten und deren angeschlossenen Medien. Auch der Artikel erkennt ihre Leistung an und zitiert den CNN-Moderator Pries Morgan, nach welchem Crawford „heroischen Journalismus“ leiste.

Ich finde es gut, dass die Journalistin Bilder von den Rebellen aufnehmen und nah am Geschehen über die Situation in Tripolis berichten kann. Allerdings wird, wenn man sich die Videos anschaut, die sie an ihren Sender geschickt hat, auch die hochriskante Lage deutlich, in der sie sich dort befindet. Was mich allerdings wirklich entsetzt hat, war der herablassende Ton der SZ, für mich eigentlich die Qualitätszeitung in Deutschland überhaupt, gegenüber der Entscheidung von ARD und ZDF, ihre Reporter nicht in eine solche Lage zu bringen. Denn damit diskreditiert sich die SZ ein bisschen selbst. Geht es nicht bei gutem Journalismus auch darum, die Lage des Journalisten zu sichern und ihnen so eine reflektierte Berichterstattung zu ermöglichen? Allein der Titel des Onlineartikels – „Das Rennen um Tripolis“ – zeigt schon, worum es hier vor allem geht: der Erste zu sein, der die richtigen Bilder hat. Ein Wettrennen um Informationen, in dem schnell mal vergessen wird, dass die Lage unübersichtlich und vor allem gefährlich ist. In der Printausgabe wurde die Überschrift zu dem schwächeren, aber nicht weniger metaphorischen „Auf umkämpftem Gelände“ geändert.

Auf tagesschau.de berichtet der ARD-Korrespondent Jörg Armbruster von den schwierigen Verhältnissen, unter denen die Journalisten in Tripolis arbeiten. Er schildert die ständige Anwesenheit einer Schutzperson, die sie durch die Stadt begleitet und ihnen nur die Informationen zugänglich macht, die das Regime für richtig hält. Mir ist ein sicherer Journalist, der längerfristig berichten kann und vor allem über seine eingeschränkten Möglichkeiten der Berichterstattung reflektiert, lieber, als distanzlose Bilder, nach deren Konsum ich mir als Redakteur auch sicher wäre, dass ich meine Journalisten dort nicht hinschicken würde.

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