Geschmolzen, gewässert, getanzt – MELT! 2011

Die offizielle Festivalhymne zum diesjährigen MELT! – „2 Hearts“ von Digitalism – wollte zwar nur zwei Herzen schlagen hören, in Wirklichkeit waren es aber weitaus mehr: Auf dem schönen Ferropolis-Gelände hatten sich gefühlt noch mehr Indie- und Elektroliebhaber eingefunden als im letzten Jahr. Es war voll, aber trotzdem nicht überfüllt, was eine der ganz großen Stärken dieses Festivals ist, das sich so seine Gemütlichkeit bewahren konnte. Hipster, sächselnde Styler, junges Gemüse, ein paar verirrte Prollos und jede Menge Holländer bevölkerten Campingplätze und Festivalgelände, machten kleidungsmäßig wieder alles mit, was ging. Obligatorisch: Jeanshotpants, Strohhut, Glitzer im Gesicht, goldene Leggins, bunter Kopfschmuck. Doch war das Publikum etwas weniger stylisch als in den letzten Jahren, was gut ist, denn ein bisschen Ranzigkeit gehört schließlich zum Festival dazu. Das Wetter spielte daneben auch allen in die Hände, die Klamotten jeglicher Art mitgenommen hatten: Am Freitag war es kühl und windig, am Samstag heiß und sonnig und sonntags regnete es schließlich und wollte bis 2 Uhr nachts gar nicht mehr aufhören. Egal, das Line-Up gefiel trotzdem. Es war bei mir in diesem Jahr besonders ein Festival für alte Bekannte, ich habe mir fast ausschließlich Gigs von Künstlern angesehen, die ich schon kannte und darüber die Auftritte einiger anderer Größen verpasst. Doch schließlich geht der Genuss über den Stress, alles sehen zu wollen, so ist zumindest meine Einstellung. Daraus wurde dann schließlich eine schöne, runde Festivalerfahrung. Eine Enttäuschung gab es aber doch: Crystal Castles konnten sich trotz zahlreichen Zuschauern nicht dazu durchringen, länger als 40 Minuten zu spielen, was ihnen berechtigte Pfiffe und Buhrufe einbrachte. Davon abgesehen gab es aber eine Menge Highlights. Meine Top Ten:

1. Robyn: Das schwedische Partyhuhn hüpfte im Flummimodus über die Bühne und intonierte „With Every Heartbeat“ und „Love Kills“, als würde sie die Songs zum ersten Mal performen

2. Console: überzeugte mit herrlich atmosphärischen Visuals und sphärischen Klängen, die sich in ihrer Tanzbarkeit immer mehr steigerten

3. Junip: Als letzter Gig am Sonntagabend im Introzelt gab es stimmungsvollen Schwedenpop mit einlullender Lichtshow und einem äußerst charmanten José González

4. Apparat Band: Sascha Ring und seine Mannen tauchten die Melt!selektorstage direkt am Gremminer See in loungige Beats und läuteten damit die kommenden Tage ein.

5. Patrick Wolf: Rothaarig und stilvoll im blauen Anzug bescherte er dem frühen Publikum (er spielte um 19:30 Uhr) mit seinem melodischen Multiinstrumentenpop ein schönes Glanzlicht

6. Les Savy Fav: fabrizierten dank Sänger Tim Harrington eine der spannendsten Bühnenshows. Nachdem der nur mit einer Unterhose Bekleidete sich am Seitenvorhang auf die Bühne geschwungen hatte, zog er sich auch noch ein buntes Vogelkostüm an und suchte regelmäßig den Kontakt zum Publikum

7. Cold War Kids: Der Regen konnte die Stimmung kein bisschen trüben, als die kalifornischen Indierocker die Hauptbühne bespielten. Es wurde mitgesungen und getanzt, bis alle trocken waren

8. Fotos: Deutscher Indiepop at its best. Routiniert sind sie nach drei Alben, aber nicht weniger sympathisch und spielfreudig, sodass „Nach dem Goldrausch“ und „Porzellan“ richtige Mitsinger wurden

9. Retro Stefson: Leider kamen wir zu spät zu diesem Konzert in der samstäglichen Nachmittagshitze, trotzdem wurde die letzten Minuten bei flockigem Indiepop getanzt, was das Zeug hält

10. Digitalism: Keine gute Stimme, aber eine gute Show und eine Tanzbarkeit, die noch jedem Eckensteher in die Beine geht, machten Digitalism zu einem Highlight am Samstag.

Der Rest: Paul Kalkbrenner, Nicolas Jaar, Boys Noize, Miss Kittin, FM Belfast, Beady Eye, The Streets, Bodi Bill, Pulp, These New Puritans, Metronomy und DJ Koze.

Alle Bilder gibt es hier.

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