Traurige Optimisten

Von meiner Begeisterung für Austra habe ich hier schon berichtet. Dass ich bald in die angenehmen Situation geraten sollte, ein Interview mit Katie Stelmanis zu führen, wusste ich da noch nicht. Hier das Ergebnis dieses Gesprächs, das für die Juliausgabe der STUZ vor dem Konzert der Band am 15. Juni im Wiesbadender Schlachthof geführt wurde. Jenny hat während des Auftritts eifrig gezeichnet, woraus diese wunderbaren Illustrationen entstanden sind und Jonas hat einen schönen Konzertbericht verfasst.

STUZ: Eure Musik ist sehr melancholisch und dunkel. Seid ihr etwa traurige Menschen?

Katie Stelmanis: Ich denke nicht, dass wir besonders traurig sind. Ich bin sehr geprägt durch die Oper, die die meiste Zeit melancholisch ist. Diese Art von Musik habe ich immer gehört. Während der Highschool und auch in meiner Kindheit hat mich traurige Musik immer angezogen. Sie macht mich nicht traurig, sondern wenn ich sie höre und schon traurig bin, dann fühle ich mich sogar besser. So ist diese Musik für mich schon wieder optimistisch.

Der Einfluss des Operngesangs auf eure Musik ist unverkennbar. Was fasziniert dich an dieser manchmal sehr exzentrischen und künstlerischen Ausdrucksform?

Es ist vor allem die Musik. Ich mag die Art, wie dort gesungen wird. Der Operngesang ist ein Stil, der dich zunächst innehalten lässt und dann entwickelt man nach und nach ein Ohr dafür. Es ist der unglaublichste Gesangstil, den es gibt, denn es wird der gesamte Körper eingesetzt und Muskeln werden benutzt, die niemand außer Opernsänger gebraucht. Ich mag auch die theatrale Seite der Oper, sie ist inspirierend und einfach beeindruckend. Außerdem ist die Oper eine Kunstform, die alle Künste für sich nutzt: Lyrik, Schauspiel, Musik, alles ist beteiligt.

Eure Musik wird als Synth Goth oder New Dark Wave bezeichnet und du wirst mit Künstlern wie Kate Bush oder The Knife verglichen. Wenn du eurer Musik selbst einen Namen geben könntest, wie würde sie heißen?

Ich würde sie immer als „elektronisch“ beschreiben, weil dieser Begriff eine Menge einschließt. Es gibt in meiner Musik Aspekte verschiedener Genres wie Goth, House oder Witch House, oder wie auch immer diese Namen lauten. Aber sie definieren die Musik nicht vollständig, also sage ich lieber elektronisch.

Euer Musikvideo zu „Lose It“ wirkt wie eine Kunstsammlung, eine Collage aus verschiedenen Stilen, Bildern und Gesten, die zu Standbildern eingefroren sind. Liegt dahinter ein bestimmtes Konzept und wie läuft die Arbeit zum Video bei euch ab?

Ich habe mit einigen Regisseuren gesprochen und es wurden einige Treatments dafür geschrieben. Am besten hat mir dann der Entwurf von M Blash gefallen. Ich war besonders von der Ästhetik begeistert, ich mochte die Farben und dass es so seltsam und abstrakt werden sollte. Außerdem bot es einen Kontrast dazu, wie wir sonst in den Medien wahrgenommen werden und das hat mir natürlich auch gefallen.

Wenn du gerade die Berichterstattung über euch erwähnst: Es wird immer herausgestellt, dass ihr eine queere Band seid, euch zu eurer Homosexualität bekennt. Ist es euch wichtig, dass darüber berichtet wird oder geht es euch auf die Nerven?

Ein bisschen von beidem. Ich würde natürlich nicht sagen, dass es falsch ist, denn ich habe eine starke Meinung zu den Rechten von Homosexuellen. Zugleich ist es aber nicht der Hauptaspekt dieses Projekts. Ich bin trotzdem immer bereit darüber zu sprechen.

Momentan gibt es viele Bands, die offen homosexuell sind und von den Medien dafür geliebt werden: Hercules and Love Affair, The Gossip, Antony Hegarty. Das klingt fast nach einer Bewegung. Ist es für euch wichtig, als Teil solch einer Bewegung gesehen zu werden oder seid ihr lieber als Künstler eigenständig?

Was ich an diesen Künstlern mag, ist, dass sie sehr unterschiedlich sind. Das zeigt, dass sie in erster Linie eben Musiker sind. Zufälligerweise sind sie dann eben alle homosexuell und gehen damit völlig normal um. Das sind sie eben als Menschen und wenn man jemandes Musik hört und etwas über diesen Menschen lernen möchte, dann ist das etwas, was die Person ausmacht. Es beeinflusst eigentlich nicht wirklich die Musik, aber wenn man den Menschen dahinter finden will, dann ist das ein wichtiger Teil.

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