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Archiv für den Monat Dezember 2010

Berlin, ein Winterwunderland. Die Straßenbahn kommt nicht mehr durch, die S-Bahn auch nicht. Keine Hektik also, wenn die Menschen es zulassen würden. Nur noch dreimal schlafen, dann ist vielleicht auch die Spree zugefroren.


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Adventskalender sind unter einem Strich (nur unter welchem?) eine feine Sache: Man öffnet ein Türlein und dort lauert nur selten eine böse Überraschung, sondern viele kleine Sürprisen, die das Leben vom 1. Dezember bis Weihnachten zwar nicht sichern, aber durchaus aufhübschen!

Klassiker


24 Schokostückchen verbergen sich in solch einem bunten Hänger! Wahlweise mit Spongebob-, Prinzessin Lilifee-, etc- Motiv. Man vergisst nach dem zweiten Tag, das Türchen zu öffnen und isst irgendwann betrunken alle Schokoplättchen auf einmal auf – weil Süßes muss gerade irgendwie sein, aber es ist selbst keine (immerhin noch qualitativ hochwertigere) Backschokolade mehr im Haus zu finden. Hier eine Prinzessinen-Version mit Kette als Gimmick. Auch hier ein zarter Hinweis auf den Herstellernamen (oben im Kopf des AKs), der zwar bemerkenswert, dadurch aber nicht automatisch glücklich gewählt ist für eine Firma, die Schokolade verkaufen will.

Selbstgebastelt


Deluxe-Version unter den Kalendern, die als hängende Liane vor allem durch frischverliebte Pärchenwohnungen wogt. Sich mal eben 24 Geschenke auszudenken, die mal persönlich selbstgebastelt, aber manchmal leider auch schön sein sollen – ein meisterlicher Akt! Man nimmt sich in der Regel vor, nicht mehr als 25 Euro auszugeben, hat am Ende aber das Monatsgehalt eines deutschen Gymnasiallehrers verballert. Da gibt`s dann selbstgebackene Plätzchen, Mixtape-CDs, persönliche Fotos oder Konzerttickets und allerlei anderen Flitterkram. Und füllt man nach durchbastelten Nächten übermüdet die letzten fünf Fächer mit schlechtem Gewissen und von Uhu verpappten Händen doch mit Schokolade auf, muss die auch von Lindt sein – mit Schichtnougat von Aldi kann man dem liebsten aller Menschen schließlich nicht kommen. Vor allem für den Beschenkten ist so ein selbstgebastelter Adventskalender also durchaus eine runde Sache. Und allzu gräuliche Basteleien (Foto-Collagen, selbstbedruckte Tshirts usw.) kann man schließlich auch einfach irgendwann unauffällig in der selbstgebastelten Erinnerungsbox verschwinden lassen, die man im Jahr davor im Adventskalender hatte. Wenn diese Box selbst zu den gräulichen Basteleien gehört und allzu gutgemeint mit Glitzersteinen und Uhu (also dem Vögel, schon klar, oder?) beworfen wurde, kann man diese wiederum auch in eine absolut unselbstgebastelten Ikea-Karton stecken. Und dann ist alles gut.

Erotik


1,99 vom Alkoholikertreffpunkt Netto. Schenken sich Pärchen gerne nach zwei Jahren Beziehung (sprich zwei Jahren gegenseitiger Bebastelung, s. oben) ironisch, aber dabei lachen sie schon ein bisschen verzweifelt.  Das Motiv (nackende Männer) ist natürlich witzig gemeint: Die silbrigen Lendenschürtzel verbergen das Nötigste, und das scheint nicht ganz so viel zu sein. Die präsentierten Lustobjekte sehen alle aus wie Radiomoderatoren, die bei privaten regionalen Radiosendern arbeiten und Franky heißen. Eine Rätselhaftigkeit des Alltags! Vorm 1. Dezember zerbricht sich der Konsument das Köpfchen und rätselt hoffnungsfroh: Ist die Schoko in Geschlechtsteilsform oder anderer erotischer Ausformung? Besonders eine Schoko-Brustwarze würde allgemein plaisieren, dann die Enttäuschung am 1. Dezember: Kein spannendes Außenteil der menschlichen Physiognomie, sondern langweilige Innereien hinter den Türchen – Doofe Schokoherzen! Und die  legen sich dann auch nicht verheißungsvoll pochend, sondern wie ein kratzender Pelz auf die Zunge. Der Spaß geht anders, die Erotik nach hause.

Puristen


24 Smarties für 24 Tage! Entdeckt man vor allem in gut sortierten Museumsshops: Symbolik sticht die Schlemmerei hier eiskalt aus, vielleicht sogar ab. Man weiß, was man hat, und das ist nicht viel! Doch Obacht: Diese demütige Übung in sinnlicher Zurückhaltung hat ihren Preis! Denn der Magen ist nach 24 Smarties an 24 Tagen dann an Weihnachten so verkleinert, dass die Festtagsgans ihn glatt sprengt. Und wer will unterm Weihnachtsbaum schon den Hals eines Federtiers aus seiner lädierten Bauchdecke ragen haben?

Eine Gruppe Schauspieler, kurze Videosequenzen wie aus einem Film von Fellini, darüber Streicherklänge von Owen Pallett – die New York Times hat ein Händchen für das Ästhetische und beschert dem geneigten Zuschauer und Zuhörer 14 Szenen, von denen man den Blick nicht mehr lösen kann: klassische Kinomomente in neuem Gewand. Ein kleiner Genuss für die Sinne. Danke an Ciprian von Negativ für den Post.

Fourteen Actors Acting