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Archiv für den Monat November 2010

FILMZ 2010 ist vorbei, gewonnen hat verdient „Mein Leben im Off“ von Oliver Haffner. Ein Film über einen erfolglosen Schriftsteller, der glaubt, seine Inspiration durch die Begegnung mit einer jungen Frau wiedergefunden zu haben, dann aber unfreiwillig als Ersatzvater engagiert wird.

Der Film lebt von seinen pointierten Dialogen und einem unglaublichen Witz, den nicht zuletzt die hervorragenden Darsteller bis in die Nebenrollen zu transportieren wissen. Regisseur Oliver Haffner hat mit dieser Tragikomödie eine kleine Filmperle geschaffen, die gleichsam berührt und erheitert und das ganze Lebensspektrum zwischen Liebe, Tod und Träumen auf charmante Art zu erzählen versteht. Unbedingt anschauen!

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Wie nett, dass gerade alle Leute auf Facebook ihre mehr oder weniger erwachsenen Profilbilder durch bunte Cartoon-Figuren ersetzen. Kindheitshelden sollen das sein und die verdienen allemal Beachtung. Sind wir nicht gerade in diesem Netzwerk dem Kindsein näher als anderswo? Videos diverser Skurrilitäten und Witzigkeiten hätten mir auch vor zwanzig Jahren Spaß gemacht, damals aber noch mehr auf dem Klettergerüst als im Web 2.0. So wie mich das Internet jetzt prägt, haben es früher Pittiplatsch, Elli im Wunderland und Bibi Blocksberg getan, weniger die Augsburger Puppenkiste und die Wilden Kerle, aber das ist regional beziehungsweise historisch bedingt. In meinem Bauch befanden sich lange vor Bier und Aperol Spritz vor allem Fruchtzwerge und Sternchensuppe. Jetzt kann ich endlich wieder Kind sein, und der Spielplatz heißt Facebook. Die Stenkerer, die mit Sand oder neuerdings Worten werfen, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Das erste Hindernis auf dem Weg aus der Uni ist genommen, nun verläuft die Straße gerade weiter Richtung zweite Nebenfachprüfung. Da das Bestehen selbiger eine Menge Kenntnis an Primärliteratur voraussetzt, wird meine Lieblingsbeschäftigung in nächster Zeit wieder das literarische Lesen sein. Nach all den empirischen Texten ist die Rückkehr zur Prosa allzu willkommen und wird mein durch Statistiken und Studien getrübtes Auge und Gehirn mit frischen Nährstoffen wortgewaltiger Kunst versorgen. Während die Lektüre zur ersten Prüfung in haptischer Form als hohe Stapel mehrseitiger Fotokopien daherkam, hält nun das Buch wieder in meinem Leben Einzug. Den ästhetischen Hochgenuss werde ich noch erhöhen, indem ich meine Lektüre in einer noch schöneren Hülle mit mir herum tragen werde: in einer Tasche, die ich auf dem letzten Künstlermarkt im Schlachthof Wiesbaden erstanden habe, kurz bevor die große Halle geschlossen wurde.

Die Lektüre der nächsten sechs Wochen wird sein:

Paul Auster – The New York Trilogy, Friedrich Dürrenmatt – Das Versprechen, Umberto Eco – Der Name der Rose, E.T.A. Hoffmann – Der goldne Topf, Franz Kafka – Die Verwandlung, Edgar Allan Poe – The Fall Of The House Of Usher, Marcel Proust – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Unterwegs zu Swann und Die wiedergefundene Zeit