Getöse

Was für ein fantastisches Line-Up sich das diesjährige Berlin Festival auch eingeladen hat, am Ende überwiegt vielleicht doch der Eindruck des Problematischen, Zerfahrenen, Durchwachsenen. Irgendwie hat es einfach nicht klappen wollen mit dem wirklich guten Konzerterlebnis auf dem Flughafen Tempelhof. Obwohl, ein paar Highlights gab es schon: Gonzales wusste genau, wie er sein Publikum zum ekstatischen Tanzen animieren kann, dafür brauchte er nur einen Finger auf die schwarzweißen Tasten zu legen und die Meute flippte aus. Der Mann ist eben der geborene Entertainer, dem sogar der graue Bademantel steht. Auch Junip begeisterten mit ihrem melodischen Gitarrenpop, der trotz seiner Ruhe eine große Intensität auf der Bühne entwickelte. Die Stimmung war eigentlich entspannt, die Location ein Erlebnis und das Bier gut gekühlt.

Doch was mussten unsere Ohren abseits davon erleben? Schlecht abgemischte Technik, unausgeglichene Akustik, verstimmte Instrumente. Ist ein Hangar vielleicht doch kein geeigneter Ort für ein Konzert? Und ist ein Hangar vielleicht besonders dann kein Ort für ein Konzert, wenn in ihm eine Größe wie Fatboy Slim auftreten soll und das Programm auf der Hauptbühne, die ausreichend Platz für die Zuschauer bieten würde, schon längst beendet ist? Übervoll war es dort also und der Zugang schließlich gesperrt. An sich nichts Neues und in ähnlicher Weise schon bei vielen Festivals – immer wieder in ärgerlicher, aber irgendwo auch verständlicher Weise – erlebt. Was dann passierte, weiß wohl niemand so genau, außer man war dabei. Es staute sich anscheinend eine Menge vor der Schleuse, es soll zu Tumulten gekommen sein. Das Ergebnis: Abbruch des Konzerts und Vorverlegung des Festivalendes am Samstag von 6 Uhr auf 23 Uhr. Eine harsche Veränderung, bei der man sich fragt, ob 60 Euro wirklich noch ein adäquater Preis für eine derartige Pannenserie sind.

Bleibt der Gedanke, dass auch hier die Loveparade ihre dunklen Schatten auf das Festival geworfen hat. Ob man die Entscheidung des Abbruchs übervorsichtig oder angebracht nennen mag, sie zeigt einmal mehr, wie verunsichert Veranstalter und Polizei immer noch über den richtigen Umgang mit Menschenmassen sind. Es kam auch hier wohl viel zusammen: die Frustration über den abgebrochenen Auftritt bei hohem Eintrittspreis, der schlechte Sound, die ohnehin angespannte Stimmung bei hoher Polizeipräsens am Samstagabend. Das macht mulmig, brennt sich ein und wird wohl noch lange auf musikalischen Großveranstaltungen so bleiben.

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4 Kommentare
  1. lukas sagte:

    Aber es hat sich alles in allem gelohnt?

    • Susan sagte:

      ja, schon, aber es gab auch kaum zugaben. das war schade. ich gebe drei von sechs sternen.

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