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Archiv für den Monat September 2010

Der Poptheoretiker Martin Büsser ist am 23. September im Alter von 42 Jahren an Krebs gestorben. Büsser hatte in Mainz Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte studiert und dann den auf Popkultur spezialisierten Ventil Verlag mitgetragen. In seinen zahlreichen Texten, unter anderem für die Magazine Intro, Emma, konkret und die Süddeutsche Zeitung, beschäftigte er sich mit der Bedeutung von Kunst, Musik, Film und verschiedenen Subkulturen. Die deutsche Popkultur verliert mit ihm einen ihrer eloquentesten, interessantesten und unprätentiösesten Autoren und Gestalter.

Hier ein Interview, das die STUZ im September 2008 mit ihm führte, sowie der Nachruf von Linus Volkmann in der Intro.

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Stimmgewaltig kann Sunny sich in ihrer Band behaupten, mit der sie durch Dörfer und Kleinstädte tingelt. Auf der Bühne ist sie ein Star, stark und eindrucksvoll. Abseits davon muss sie sich gegen ihre aufdringlichen Bandkollegen wehren, sagt aber weiterhin frei heraus, was sie will: Anerkennung und Liebe. Die glaubt sie in Ralph gefunden zu haben, doch er erwidert ihre Gefühle nicht. Enttäuscht kommt Sunny vom Weg ab.

Die Kostüme von Renate Krößner verdeutlichen die zwei Seiten, auf denen sich Sunny befindet: himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt. In einem Moment gibt es in ihrem Leben soviel Kraft und Mut, im nächsten nur Hoffnungslosigkeit und Angst. Für ihre schauspielerische Leistung zwischen Lachen und Weinen erhielt sie 1980 den Silbernen Bären auf der Berlinale.

Solo Sunny (1980, Regie: Konrad Wolf)

Was für ein fantastisches Line-Up sich das diesjährige Berlin Festival auch eingeladen hat, am Ende überwiegt vielleicht doch der Eindruck des Problematischen, Zerfahrenen, Durchwachsenen. Irgendwie hat es einfach nicht klappen wollen mit dem wirklich guten Konzerterlebnis auf dem Flughafen Tempelhof. Obwohl, ein paar Highlights gab es schon: Gonzales wusste genau, wie er sein Publikum zum ekstatischen Tanzen animieren kann, dafür brauchte er nur einen Finger auf die schwarzweißen Tasten zu legen und die Meute flippte aus. Der Mann ist eben der geborene Entertainer, dem sogar der graue Bademantel steht. Auch Junip begeisterten mit ihrem melodischen Gitarrenpop, der trotz seiner Ruhe eine große Intensität auf der Bühne entwickelte. Die Stimmung war eigentlich entspannt, die Location ein Erlebnis und das Bier gut gekühlt.

Doch was mussten unsere Ohren abseits davon erleben? Schlecht abgemischte Technik, unausgeglichene Akustik, verstimmte Instrumente. Ist ein Hangar vielleicht doch kein geeigneter Ort für ein Konzert? Und ist ein Hangar vielleicht besonders dann kein Ort für ein Konzert, wenn in ihm eine Größe wie Fatboy Slim auftreten soll und das Programm auf der Hauptbühne, die ausreichend Platz für die Zuschauer bieten würde, schon längst beendet ist? Übervoll war es dort also und der Zugang schließlich gesperrt. An sich nichts Neues und in ähnlicher Weise schon bei vielen Festivals – immer wieder in ärgerlicher, aber irgendwo auch verständlicher Weise – erlebt. Was dann passierte, weiß wohl niemand so genau, außer man war dabei. Es staute sich anscheinend eine Menge vor der Schleuse, es soll zu Tumulten gekommen sein. Das Ergebnis: Abbruch des Konzerts und Vorverlegung des Festivalendes am Samstag von 6 Uhr auf 23 Uhr. Eine harsche Veränderung, bei der man sich fragt, ob 60 Euro wirklich noch ein adäquater Preis für eine derartige Pannenserie sind.

Bleibt der Gedanke, dass auch hier die Loveparade ihre dunklen Schatten auf das Festival geworfen hat. Ob man die Entscheidung des Abbruchs übervorsichtig oder angebracht nennen mag, sie zeigt einmal mehr, wie verunsichert Veranstalter und Polizei immer noch über den richtigen Umgang mit Menschenmassen sind. Es kam auch hier wohl viel zusammen: die Frustration über den abgebrochenen Auftritt bei hohem Eintrittspreis, der schlechte Sound, die ohnehin angespannte Stimmung bei hoher Polizeipräsens am Samstagabend. Das macht mulmig, brennt sich ein und wird wohl noch lange auf musikalischen Großveranstaltungen so bleiben.


… dann kommt dabei etwas sehr gutes heraus. Nämlich Literatur. So gesehen und gehört im Bett in Frankfurt am 22. Juli, als die beiden sich ein lesendes Stelldichein gaben, um ihre Ergüsse vorzutragen. Eva und Matze hielt es nicht auf ihren Stühlen, sie bohrten bei ihnen noch kräftig mit Fragen nach! Den Pinsel dazu hat Jenny geschwungen.

Das textliche Ergebnis dieses Rendezvous gibt es hier und mehr von Jennys zeichnerischem Können hier.